Kinder, war das schön!

Letzte Woche ging für mich ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: Ich durfte mit Kindern arbeiten (ca. 6-9 Jahre).Kids

Schon lange hatte ich mich gefragt, wie ein Lindy Hop Kurs mit Kindern wohl aussehen könnte und siehe da: Marita Gerber, Lehrerin an der Grundschule in Pliezhausen (http://www.ghs-pliezhausen.de) und Schülerin von Swinging Nürtingen hatte zeitgleich dieselbe Idee! „Awa, des machmer!“ stand dann ganz schnell in großen goldenen Lettern auf unserer Startschusspistole. Und was war das für ein motivierender Knall!

Zuerst eine kleine Projektbeschreibung für den Förderverein, damit die Finanzierung geklärt ist und ich auch weiterhin Brot und Marmelade kaufen kann. Worum geht es also beim Tanzen mit Kindern? Zum Beispiel um die eigene Körperwahrnehmung. Es ist erstaunlich, wie viel Bewegungsdrang diese kleinen Menschen haben. Immer her damit, das brauchen wir zum Tanzen, ganz klar. Man nehme also eben jenen Bewegungsdrang und füge etwas Koordination hinzu und schon tanzen wir.

Aber da ist noch mehr. Lindy Hop ist schließlich ein Paartanz. Die Kinder lernen also auch, sich gegenseitig als Partner wahrzunehmen. Viel enger und in viel größerer Abhängigkeit voneinander als im Sportunterricht. Je nach Alter haben wir es hier aber mit unterschiedlich hohen Geschlechterbarrieren zu tun. Logisch, dass das erste „Iiiih!“ nicht lange auf sich warten ließ! Aber dazu später mehr. Tanzen schult soziale Kompetenzen. Übrigens nicht nur bei Kindern. Paartanz ist für die Selbst- und Fremdwahrnehmung Gold wert, egal in welchem Alter.

„Hano, des hert sich abr guat an!“ hat sich der Förderverein vermutlich gedacht, denn wir hatten schnell grünes Licht.

Einige Zeit vor der Projektwoche schlug Frau Gerber eine Schnupperstunde vor. Und wir durften beide feststellen: Das war wirklich eine geniale Idee. Es heißt immer, dass junge Menschen viel schneller lernen, als Erwachsene. Das mag in bestimmten Fällen durchaus zutreffen. In diesem Fall jedoch erwartete uns eine große Überraschung.

Obwohl ich mich sehr auf diese Stunde freute hatte ich gleichzeitig ein leicht mulmiges Gefühl. Schließlich bin ich kein Pädagoge. Was also, wenn mich die Kinder nicht akzeptieren? Schnell war klar, dass ich mir umsonst Sorgen gemacht hatte. Sie waren meinem unwiderstehlichen Charme schutzlos ausgeliefert und haben den Kampf gar nicht erst aufgenommen.

So weit, so gut. Kommen wir also zum Lindy Hop.

Nach ein paar wenigen Solo-Übungen konnten die Kinder perfekte Triplesteps tanzen. „Ha so hätt au i des vrstanda!“ musste ich mir dann im nächsten Kurs in Nürtingen anhören.

Ich freute mich schon über das tolle Ergebnis und sah meine Erwartungen restlos bestätigt. Leider wurde das Ganze aber auf einen Schlag zu einem unüberwindbaren Problem, als die Kinder die Bewegung gezielt zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt abrufen sollten. Wir mussten erkennen: So sehr auch junge Menschen schneller lernen als Erwachsene, diese Menschen waren schlicht zu jung. Erschwerend kam noch die sehr begrenzte Zeit der Projekttage hinzu.

Also gut, alles kein Problem. Ich habe die Grundlagenfiguren etwas vereinfacht, so dass alle die Figuren am Ende mühelos tanzen konnten.

Kommen wir also zum nächsten großen Problem: „Iiiih!“

Wenn die Kleinen wüssten, dass der Paartanz lange Zeit die einzige Möglichkeit war, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Sie würden jegliche Hoffnung aufgeben, die Erwachsenen zu verstehen.

Zurück zum Thema. Auch dieses Problem kann man natürlich nicht so schnell lösen. Aber man kann die kleinen grauen Zellen zum Nachdenken anregen und vielleicht einen Denkprozess anstoßen.

Wie wäre es mit einem kurzen Rollenspiel und zwei erklärenden Worten zum allseits bekannten ethischen Grundsatz „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“? Hm, die Botschaft scheint klar, sie wird aber noch ignoriert. Und trotzdem meine ich Blicke von Kindern gesehen zu haben, die begriffen haben worum es geht. Trotzdem scheint danach etwas anders zu sein.

Eine Vorführung darf am Ende einer solchen Projektwoche natürlich nicht fehlen. Am Freitag gab es davon für die Eltern gleich mehrere. Und die waren sehr erfolgreich, möchte ich hinzufügen. Mit mir mittendrin. Was für ein Spaß!

Diese Projektwoche war eine wundervolle Erfahrung für mich. Die Arbeit mit Kindern ist tatsächlich etwas ganz besonderes. Ich freue mich schon riesig auf die nächste Gelegenheit.

Ich grüße von Herzen Marita Gerber und die 18 Kinder der Lindy Hop Gruppe der Sommerprojektwoche 2014 an der Grundschule Pliezhausen. Immer schön weiterbouncen, Ihr lieben Leute.

Euer Ufuk.

"Lindy Hop steigert in Abhängigkeit der Tanzdauer exponentiell die Intensität des Lebensfreudeinduktionsfeldes von Swingmusik." (Nikola Tesla)

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"Die Seelen aller Tänzer sind unsterblich, aber die Seelen der Lindy Hop Tänzer sind sowohl unsterblich als auch göttlich." (Sokrates)

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"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Mensch, der eine beachtliche Gesundheit besitzt Lindy Hop tanzen muss." (Jane Austen)